Gesundheitsportal Flensburg

Wissenwertes

Was ist eigentlich eHealth?

 

 

Wer sich heute mit der medizinischen Versorgung von morgen beschäftigt, wird vielleicht schon öfter mit dem Begriff „eHealth“ in Kontakt gekommen sein. In Flensburg gibt es sogar schon einen Masterstudiengang, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Dennoch können die meisten Menschen immer noch nichts mit dem Begriff anfangen. Zeit dies zu ändern und einen näheren Blick auf das Thema zu werfen.

Mit dem Begriff „eHealth“ wird die Verwendung digitaler Technologien und Medien im Gesundheitswesen beschrieben. Dies umfasst alle Informations- und Kommunikationstechnologien, die im Gesundheitswesen zum Einsatz kommen. Die Geschichte dieses Begriffs geht auf das Jahr 1997 zurück, als er erstmals in verschiedenen Studien von Unternehmensberatungen und in diversen Wirtschaftsmagazinen erwähnt wurde und zwar als Sammelbegriff für das Aufeinandertreffen von Medizin und Internet. Wenige Jahre später, um die Jahrtausendwende, hielt dieser Begriff auch Einzug in medizinische Fachzeitschriften. Obgleich der Begriff also erst in der Mitte der Neunziger geprägt worden ist, gab es eHealth-Anwendungen schon viel früher. So existierten schon im Jahr 1991 internetbasierte medizinische Anwendungen und noch früher, in den 1970ern, war bereits versucht worden, die Erhebung der Anamnese von Patienten computergestützt durchzuführen.

Umfasste eHealth bis zum Jahr 2000 vor allem die Digitalisierung klassischer Prozesse im Gesundheitswesen (wie die digitale Patientenakte), steht der Begriff mittlerweile als Oberbegriff für zahlreiche Bereiche der digitalen Anwendung, wie die digitale Patientenakte, ein computerbasiertes Krankheits- und Wissensmanagement, telemedizinische Dienste, Gesundheitsportale, die persönliche Gesundheitsvorsorge (Internetmedizin), Vorrichtungen zur Selbstversorgung des Patienten und auch Online-Apotheken. Dies ist nicht zuletzt auf die Entwicklung neuer Technologien, wie die des mobilen Internets oder des sogenannten Internet of Things (IoT), zurückzuführen.

Die heutzutage existierenden eHealth-Anwendungen lassen sich in die Bereiche Information, Kommunikation, Interaktion, Transaktion und Integration unterteilen.

Der Bereich Information umfasst hierbei die Bereitstellung von Informationen für Ärzte und Patienten über sogenannte Informationsportale. Beispiele dafür sind das Patienteninformationssystem oder das Krankenhausinformationssystem (kurz: KIS).

Der Bereich Kommunikation beschreibt Anwendungen für die Erleichterung des Informationsaustausches, ohne dass eine zeitnahe oder direkte Reaktion der Kommunikationspartner erforderlich ist. Anwendungen zur Interaktion lassen die Kommunikationspartner hingegen direkt miteinander kommunizieren.

Anwendungen zur Transaktion gehen noch einen Schritt weiter und erlauben den Datenaustausch zwischen verschiedenen Beteiligten und ermöglichen gleichzeitig die Abbildung und Abwicklung aller erbrachten medizinischen Leistungen auf elektronischem Wege. Ein Beispiel hierfür ist die elektronische Gesundheitskarte. Diese gilt seit dem 01. Januar 2015 als Berechtigungsnachweis, um Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen zu können. War ihr Benefit vorerst nur auf ein Lichtbild des Versicherten begrenzt, um Verwechslungen zu vermeiden und damit der missbräuchlichen Inanspruchnahme von Leistungen vorzubeugen, sollen auf ihr laut dem neuen eHealth-Gesetz in den kommenden Jahren Anwendungen implementiert werden, die die Versorgung der Versicherten verbessert. Hierbei zu nennen sind Notfalldaten des Versicherten, der Medikationsplan, das Versichertenstammdatenmanagement und die elektronische Patientenakte und/oder das Patientenfach. Die Notfalldaten informieren den Arzt über bedeutsame Vorerkrankungen oder Allergien und ggf. über die Adresse der im Notfall zu benachrichtigenden Angehörigen. Der Medikationsplan enthält für den Arzt Informationen zur Medikation eines Patienten, um schwerwiegende Wechselwirkungen zu vermeiden. Durch das Versichertenstammdatenmanagement werden die Stammdaten des Versicherten automatisch auf aktuellem Stand gehalten. In einer elektronischen Patientenakte bzw. Patientenfach werden wichtige Behandlungsdaten eines Versicherten zusammengeführt, um die Informationsgrundlage der verschiedenen Versorger zu verbessern. Zusätzlich kann der Patient hier sogar selbst Einsicht nehmen sowie eigene Informationen einpflegen. Eine solche digitale Patientenakte fällt beispielsweise in den Bereich „Integration“.

Wenn man über eHealth spricht, kommt man auch um das Thema „Telemedizin“ nicht herum. Dieser Begriff beschreibt verschiedene ärztliche Versorgungskonzepte, bei denen die Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und die ärztliche Entscheidungsberatung über räumliche Entfernung oder zeitlichen Versatz hinweg erbracht werden. Mittlerweile wird Telemedizin in fast allen medizinischen Fachgebieten angewendet, dementsprechend groß ist auch die Vielfalt der Anwendungen. Beim Telemonitoring geht es beispielsweise um die medizinische Überwachung chronisch kranker Patienten. Der Patient kann relevante Messdaten von zu Hause aus an gesundheitliche Kompetenzzentren oder den behandelnden Arzt zur Kontrolle übermitteln. Bei der Teleradiologie haben Versorger die Möglichkeit, radiologisches Bildmaterial untereinander auf elektronischem Wege zu versenden, wodurch dem Patienten Zeit und Wege erspart werden und kleine Einrichtungen keine eigenen Radiologen vorhalten müssen. Im Rahmen der Teletherapie führen Patienten von einem beliebigen Ort aus Therapiemaßnahmen durch. Die Therapiedaten werden anschließend per Computer an ein Kompetenzzentrum zur Auswertung weitergeleitet. Wie bereits erwähnt, lässt sich diese Liste an telemedizinischen Anwendungen noch viel weiter fortsetzen.

Eine wichtige Rolle spielen im Bereich eHealth auch Apps, die heutzutage fast jeder von seinem Smartphone oder Tablet kennt. Jeden Monat kommen ca. 1.000 neue Apps aus dem Bereich Gesundheit und Medizin dazu. Hierbei geht es um Prävention (u.a. Gesundheitsaufklärung), um die Diagnostik (z.B. Entscheidungsunterstützung), die Therapie (z.B. mobiles Monitoring) und auch die Nachsorge (z.B. Verlaufsbeobachtung). Es gibt Apps, die sich inhaltlich an Patienten richten und solche, die die Vernetzung der Ärzte und Einrichtungen untereinander und die Behandlung der Patienten effizienter gestalten sollen.

Auch der Bereich „Ambient Assisted Living“ (altersgerechte Assistenz für ein selbstbestimmtes Leben) ist dem Begriff eHealth zuzuordnen. Ambient Assisted Living, kurz AAL, richtet sich in erster Linie an benachteiligte und ältere Personen. Hier soll mit innovativen Technologien, Assistenzsystemen oder Dienstleistungen der Alltag solcher Personen erleichtert werden, damit diese ein selbstbestimmtes Leben führen können. Man spricht in diesem Zusammenhang von Technologien, die sich bedarfsgerecht an die speziellen Lebenssituationen der Benutzer anpassen lassen. Praktisch geht es bei diesen Technologien zum einen um die Steuerung und Überwachung von Mechanismen im Haushalt, beispielsweise können sich Familienangehörige über ein Videosystem davon überzeugen, ob es den Angehörigen gut geht, mit ihnen sprechen, sich nach dem Befinden erkunden oder Hilfe holen. Zusätzlich lässt sich über AAL der Einkauf organisieren, Medikamente beschaffen oder bei Bedarf einen Arzt rufen.

Trotz der vielen Vorteile die eHealth mit sich bringt, wie zum Beispiel die Effizienzsteigerung in der Versorgung und das Miteinbeziehen des Patienten in den Behandlungsprozess, ist Deutschland im internationalen Vergleich noch weit hinter anderen Nationen wie Australien, Dänemark oder Estland zurück. Bei der Vergütung der Leistungen und der Akzeptanz seitens der Patienten gibt es noch großen Nachholbedarf und auch eine flächendeckende Telematikinfrastruktur war lange Zeit nicht vorhanden, weswegen es bei der Versorgung von Patienten mittels eHealth zurzeit größtenteils Insellösungen gibt. Mit einem neuen eHealth-Gesetz im Jahre 2016 wurde aber ein wichtiger Schritt unternommen, um die Potenziale dieser Versorgungsform auch bundesweit nutzen zu können.

Quellen:

http://www.egovernment-computing.de/was-ist-ehealth-a-570980/

http://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/e-health-gesetz/allgemeine-informationen-egk.html 

https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/telematik_und_datenaustausch/telematik_und_datenaustausch.jsp

http://www.bundesaerztekammer.de/aerzte/telematiktelemedizin/telemedizin/

http://www.telemedallianz.de/witm_an_monitoring.html

http://www.telemedallianz.de/witm_an_radiologie.html