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Wissenwertes

Bewegung auf Rezept - Zur Erstattungsfähigkeit von Entspannungskursen

 

Belastungssituationen treten in unserer heutigen Lebenswelt immer häufiger auf. Der Mensch greift zur Bewältigung von Stresssituationen auf ein uraltes und sehr erfolgreiches Bewältigungsmuster zurück, welches ihn bei erhöhtem Stress mit mehr Energie versorgt, um im Notfall entweder kämpfen oder flüchten zu können. Zur Abwehr der in unserer heutigen Zeit vorkommenden Stresssituationen ist dieses Modell jedoch völlig ungeeignet, sodass sich der Mensch heutzutage andere Methoden zum Stressabbau zu Nutze machen muss. Dabei sollte das Ziel darin bestehen, zum einen die vom Körper bereitgestellten aber nicht brauchbaren Energien zu verbrauchen und zum anderen, nach einer Stressphase eine Entspannungsphase sicherzustellen.

Dies hat nun auch der Gesetzgeber erkannt und mit dem Präventionsleitfaden die Krankenkassen dazu verpflichtet, ihren Versicherten Leistungen der primären Prävention anzubieten. Durch Wissenserwerb sollen die Versicherten für die Bedeutung ihrer eigenen Gesundheitserhaltung sensibilisiert werden. Die erworbenen Fähigkeiten sollen selbstständig angewendet und insbesondere in den beruflichen Alltag integriert werden. Dafür bezuschussen die Krankenkassen Präventionskurse, die den Qualitätsvorgaben des GKV § 20 SGB V entsprechen, die in dem Leitfaden Prävention verschriftlicht wurden. Ob die jeweiligen Kurse diesen Vorgaben entsprechen, wird von der zentralen Prüfstelle Prävention überprüft. Den Krankenkassen ist dabei selbst überlassen, welche Kurse in welcher Höhe erstattet werden und mit welchen externen Anbietern zusammengearbeitet wird.

Gefördert werden die durch die o.g. Prüfstelle zertifizierten und erstattungsfähigen Kurse insbesondere in den Handlungsfeldern Bewegungsgewohnheiten, Ernährung, Stressmanagement und Suchtmittelkonsum. Hierbei geht es um die Reduzierung von Bewegungsmangel und die Vermeidung von Mangel- und Fehlernährung. Außerdem um die Förderung von Stressbewältigungskompetenzen durch das Erlernen von Entspannungstechniken sowie um die Förderung des Nichtrauchens und der Reduzierung des Alkoholkonsums. Großer Beliebtheit erfreut sich insbesondere das Erlernen von Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, Hatha Yoga, Thai Chi und Qigong.

Am häufigsten und schnellsten lassen sich die förderungsfähigen Präventionskurse über die Internetseiten der jeweiligen Krankenkasse finden. Versicherte haben hier die Möglichkeit, neben der Festlegung auf Kurse zu einem bestimmten Handlungsfeld auch die gewünschte Region und den Zeitraum auszuwählen, in der man den Kurs belegen möchte. Teilweise werden in einem nächsten Schritt direkt die freien Termine angezeigt, welche in einem weiteren Schritt online gebucht werden können. Der Ablauf und der Funktionsumfang zur Buchung eines Kurses variieren je nach Internetseite der jeweiligen Krankenkasse.

Nimmt man als Versicherter an einem der förderungsfähigen Kurse teil, wird zunächst die Kursgebühr durch den Versicherten beglichen. Die Erstattung der Kursgebühr erfolgt nach erfolgreicher Teilnahme an dem Kurs. Der Versicherte erhält eine Teilnahmebescheinigung und ein Auszahlungsformular, welches der Krankenkasse zur Erstattung der Gebühr zugesendet werden muss. Wichtig: Ein häufiges (meistens mehr als einmaliges) Fernbleiben führt zur Nichtaushändigung des Auszahlungsformulares mit der Konsequenz der Nichterstattung der Kursgebühr durch die Krankenkasse.

Die Höhe der Kostenübernahme der jeweiligen gesetzlichen Krankenkasse variiert. So reicht die Höhe von zweimal 75 Euro pro Kursteilnahme (meistens 6-7 Termine) bis 240 Euro pro Jahr. So erfolgt teilweise eine vollständige Kostenübernahme des Kurses, wesentlich häufiger müssen die Versicherten jedoch einen kleinen Eigenanteil von ca. 15-20 Euro übernehmen. Die Kostenübernahme durch private Krankenversicherungen variiert je nach Versicherungsgesellschaft und Tarif. Es besteht keine gesetzliche Grundlage, im Gegensatz zum Präventionsleitfaden für die GKV, zur Finanzierung der Präventionskurse, sodass mache Versicherungsgesellschaften keine andere wiederum die gesamten Kosten übernehmen.