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Wissenwertes

Online-Kurs für pflegende Angehörige

 

Pflegende Angehörige sind bei der Übernahme der Pflegesituation häufig mit Belastungen, die besonders auf der gesundheitlichen Ebene sichtbar werden, und Informationsdefiziten konfrontiert (Schwinger et al., 2016; DAK-Gesundheit, 2015). Dies ist aber nicht ungewöhnlich, da die pflegenden Angehörigen meist nie gelernt haben, wie sie in der neuen Lebenssituation mit emotionalen und physischen Stress umgehen können, worauf sie achten müssen, um für die Pflegebedürftigen ein sicheres Umfeld zu erschaffen und welche Unterstützungsangebote für sie selbst und für den zu Pflegenden bestehen (Kelly, 2010).

Obwohl in Deutschland zahlreiche professionelle Unterstützungsangebote existieren, ist deren Wahrnehmung sowie Inanspruchnahme nur gering (Weidner et al., 2017; Wetzstein et al., 2015).

Als Gründe für die Nichtinanspruchnahme von entlastenden und unterstützenden Angeboten wurden unübersichtliche und bürokratisch wahrgenommene Angebotsstrukturen sowie eine ungenügende Berücksichtigung der individuellen Bedarfe von informell Pflegenden identifiziert. Weiterhin weisen Studien daraufhin, dass pflegende Angehörige ihre eigene Situation oftmals besser wahrnehmen wollen, als sie in Wirklichkeit ist. Sie überschätzen ihre Fähigkeiten und Ressourcen und sehen folglich nicht die Relevanz zur Teilnahme an einem Unterstützungsangebot (Schneekloth et al., 2017; Wetzstein et al., 2015). Weitere Hinderungsgründe sind zu hohe Kosten und eine mangelhafte zeitliche sowie lokale Erreichbarkeit der Angebote (Schneekloth et al., 2017; Schwinger et al., 2016).

Reale Pflegekurse sind ein zentrales Unterstützungsangebot für pflegende Angehörige und sind sogar gesetzlich verankert (§ 45 SGB XI). Infolge der Digitalisierung existiert bereits ein Online-Pflegekurs, der ebenso gesetzlich anerkannt ist (Mainz und Zündel, 2017).

Der hier vorgestellte Kurs ist auf dem Online-Portal Curendo unter https://pflege.curendo.de/pflegekurse verfügbar und kooperiert mit 35 Kassen. Zudem hat die DAK-Gesundheit diesen Kurs in ihr Leistungsportfolio (DAK Online-Pflegecoach) aufgenommen (https://www.dak.de/dak/leistungen/online-coaching-fuer-pflegende-angehoerige-1693900.html).

Inhaltlich werden finanzielle, rechtliche und organisatorische Informationen zur Pflegesituation, pflegerelevante Abläufe und die Förderung der Wahrnehmung sowie der Erwerb von Fähigkeiten und Wissen für die Pflege thematisiert. Weiterhin bildet die Selbstsorge der pflegenden Angehörigen ein zentrales Element des Kurses. Insgesamt existieren 34 Lernmodule, welche durchschnittlich jeweils zehn Minuten in Anspruch nehmen.

Neben diesem Online-Kurs, der die Grundlagen der häuslichen Pflege vermittelt, existiert noch ein weiteres digitales Angebot, welches in 28 Modulen den Schwerpunkt „Alzheimer und Demenz“ behandelt und das Verständnis für die Betroffenen fördert sowie den Umgang mit Alzheimer und anderen Formen der Demenz erleichtert.

Die Techniker Krankenkrasse bietet ihren Versicherten ein ähnliches Angebot. Der TK-PflegeCoach besteht aus 4 Modulen (Verständnis und Zuwendung, Die Pflegeumgebung, Richtig pflegen, Selbstschutz für Pflegende) und vermittelt Pflegenden und Interessierten Informationen zur häuslichen Pflege (http://www.tkpflegecoach.de).

Abschließend soll auf das enorme Potenzial von Online-Pflegekursen für pflegende Angehörige hingewiesen werden. Durch eine flächendeckende, individuelle sowie bedürfnisorientierte Versorgung und einen niederschwelligen Zugang sowie eine nutzerorientierte Usability können solche Kurse eine wichtige Unterstützung für die Pflegenden bei der Übernahme der häuslichen Pflege sein (Mainz und Zündel, 2015).

 

 

Quellen 

 

DAK-Gesundheit (2015) Pflege-Report 2015: So pflegt Deutschland. URL: https://www.dak.de/dak/download/pflegereport-2015-1701160.pdf (Zugriff am 16.06.18).

Kelly, M. (2010) Who cares for the carers? Journal of Renal Care, 36 (1), S. 16- 20.

Mainz, M. und Zündel, M. (2017) Digitale Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. In: Pfannstiel, M. A., Krammer, S., Swoboda, W. (Hrsg.) Digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen III: Impulse für die Pflegepraxis. Wiesbaden, Springer Fachmedien. S. 233-250.

Mainz, M. und Zündel, M. (2015) Onlinebasierte Pflegekurse als Unterstützungsangebot für pflegende Angehörige: Lernen, wann und wo man will. Pflegezeitschrift 68 (12), S. 730-735.

Schneekloth, U., Geiss, S., Pupeter, M., Rothgang, H., Kalwitzki, T., Müller, R. (2017) Abschlussbericht: Studie zur Wirkung des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes (PNG) und des ersten Pflegestärkungsgesetzes (PSG I). URL: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Berichte/Abschlussbericht_Evaluation_PNG_PSG_I.pdf (Zugriff am 03.07.2018).

Schwinger, A., Tsiasioti, C., Klauber, J. (2016) Unterstützungsbedarf in der informellen Pflege eine Befragung pflegender Angehöriger. In: Jacobs, K., Kuhlmey, A., Greß, S., Klauber, J., Schwinger, A. (Hrsg.) Pflege-Report 2016: Schwerpunkt: Die Pflegenden im Fokus. Schattauer Verlag, Stuttgart. S. 189-216.

Weidner, F., Rottländer, R., Laag, U. (2017) Bedarfsgerechte Entlastung von pflegenden Angehörigen demenziell erkrankter Menschen: ein multidimensionaler, programmatischer Ansatz. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 99 (1), S. 4-19.

Wetzstein, M., Rommel, A., Lange, C. (2015) Pflegende Angehörige - Deutschlands größter Pflegedienst. URL: http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gast&p_aid=0&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=21301 (Zugriff am 16.06.18).

 

Autor: Marius Mainz

Veröffentlichung: 11.07.2018