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Wissenwertes

Schmerzwahrnehmung

Fast jeder Mensch hat sich schon einmal in den Finger geschnitten. Was passiert nun in unserem Körper, dass wir daraufhin Schmerzen empfinden?

Es gibt viele unterschiedliche Rezeptoren im Gewebe, die durch den Schnitt in den Finger aktiviert werden. Diese Rezeptoren senden nun über Nervenbahnen ein Signal an das Rückenmark, dass sich der Zustand des Gewebes, in dem sie eingelagert sind, geändert hat.

Auf Rückenmarksebene wird entschieden, ob das angekommene Signal an das Gehirn weitergeleitet wird oder nicht. Da ein Schnitt in den Finger eine ausreichend große Wunde ist, kann davon ausgegangen werden, dass dieser Reiz an das Gehirn weitergeleitet wird. Ein Reiz der im Normalfall nicht weitergeleitet wird, ist zum Beispiel der Druck des Sockenbündchens am Bein. Dieser Reiz ist so gering, dass die Rezeptoren ihn zwar wahrnehmen, er aber nicht ausreicht, um eine Information an das Gehirn zu senden.

Das Signal, dass Gewebe am Finger zerstört wurde, wurde nun an das betreffende Areal im Gehirn gesendet. Erst im Gehirn wird dieses Signal zu einem Schmerzreiz weiterverarbeitet. Das Gehirn koppelt Erfahrungen und bekannte Empfindungen mit dem eben angekommenen Signal. Außerdem merkt es sich für das nächste Mal, dass wir vorsichtig sind beim Schneiden, damit wir uns nicht noch einmal schneiden.

Anhand dieses Beispiels, soll verdeutlicht werden, dass Schmerzen nicht im Gewebe entstehen, sondern Reize bestimmte Rezeptoren (Druck-, Thermische-, Chemische- Rezeptoren, etc.) aktivieren. Durch die Erregung dieser Rezeptoren werden dann Signale an das Rückenmark weitergeleitet, wo diese auf dem sensiblen Hinterhorn mit anderen Informationen aus dem Gehirn oder anderen Körperarealen gekoppelt werden. Nur wenn das Signal stark genug ist, wird es weiter zum Gehirn geleitet. Ist das Signal zu schwach, wird es nicht wahrgenommen.

Bei chronischen Schmerzen kann es passieren, dass die Rezeptoren im Gewebe schon auf sehr geringe Reize reagieren. Zum Beispiel sollte das Streichen über den Handrücken normalerweise nicht wehtun. Ist aber die Wahrnehmung gestört, kann das Gehirn dieses sanfte Streichen als Schmerz empfinden. Diesen Umstand nennt man Hyperalgesie. Das heißt, bei chronischen Schmerzen liegt nicht unbedingt eine Gewebeschädigung vor. Es ist vielmehr die Wahrnehmung und die Erregungsschwelle der Rezeptoren, die sich verändert haben.

Um mit Schmerzen gesund umzugehen, ist es wichtig zu verstehen, wie diese entstehen. Des Weiteren sollte man genau beobachten, welche Möglichkeiten es gibt, sich schmerzfrei zu bewegen. Folgende Anleitung kann beispielsweise hilfreich sein:

Wie lange kann ich gehen, ohne dass meine Schmerzen schlimmer werden?
- Ich kann 30 Minuten gehen, aber am nächsten Tag zahle ich den Preis dafür. Kann ich 20 Minuten lang gehen, ohne dass meine Schmerzen schlimmer werden?
- Nein, ich würde immer noch zahlen. Kann ich 10 Minuten lang gehen, ohne dass meine Schmerzen schlimmer werden?
- Wahrscheinlich nicht, auf keinen Fall bergauf. Wie ist es mit 5 Minuten auf ebenem Gelände?
- Wahrscheinlich. 3 Minuten auf ebenem Gelände?
- Auf jeden Fall. (Vgl. Butler & Moseley 2005, S. 108)

Dieses Beispiel können Sie auf fast jede Bewegung anwenden. Bewegen Sie sich so viel, wie es schmerzfrei möglich ist und steigern Sie sich nur ganz langsam. Statt einer Therapieempfehlung stellt dies eher eine Hilfe dar, wie Sie eventuell mit ihren Schmerzen umgehen könnten.

Die Entstehung und Wahrnehmung von Schmerzen ist ein sehr komplexer Prozess, der hier nur sehr vereinfacht und unvollständig für ein grobes Verständnis dargestellt ist. Wer sich für dieses Thema interessiert, wird empfohlen, in den angegebenen Quellen näher nachzuforschen oder behandelnde Ärzte oder Therapeuten zu fragen.

Quellen:

Butler, D.S. & Moseley, G.L. (2005): Schmerzen Verstehen. Heidelberg: Springer Medizin Verlag

flexikon.doccheck.com/de/Schmerz Zugriff am 15.05.2017

www.menschundmedien.de/pflege/B9-Kapitel%20Schmerzentstehung%20und%20-verarbeitung%20(Seiten%2016-20).pdf Zugriff am 15.05.2017