Gesundheitsportal Flensburg

Wissenwertes

Unterstützung für pflegende Angehörige

 

2015 wurden von den insgesamt 2,9 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland 2,08 Millionen zu Hause versorgt. Die häusliche Pflege erfolgte dabei zu zwei Dritteln allein durch pflegende Angehörige und zu einem Drittel zusammen mit oder vollständig durch einen ambulanten Pflegedienst (Statistisches Bundesamt, 2017). Häufig sind mit der Übernahme der Pflegesituation aber Belastungen und Informationsdefizite verbunden (Schwinger et al., 2016).

Als Ursachen werden eine ‚Rund um die Uhr‘-Versorgung, eine hohe Pflegestufe, die Fortführung einer Erwerbstätigkeit, die Betreuung von kognitiv beeinträchtigten Pflegebedürftigen mit nächtlichem Hilfebedarf sowie Defizite in der Hilfsmittelversorgung genannt (Schneekloth und Wahl, 2005). Neben einer schweren körperlichen Pflege können auch Verhaltensprobleme und -konflikte, wie „Herumwandern“, „Peinlichkeit oder Bestürzung hervorrufende Verhaltensweisen“, „fehlende Problemeinsicht und Kooperation“ der zu pflegenden Personen negative Folgen haben (Kofahl et al., 2005, S. 4).

Dies hat häufig Einfluss auf die Gesundheit (reduziertes Wohlbefinden und erhöhtes Stresserleben), das soziale Netz (Reduzierung sozialer Kontakte bis hin zu sozialer Isolation) sowie die Erwerbstätigkeit der privaten Pflegeperson (Wetzstein et al., 2015; Bundesministerium für Gesundheit, 2012). Insbesondere auf der gesundheitlichen Ebene werden diese Auswirkungen sichtbar. Pflegende Angehörige sind überdurchschnittlich oft von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen sowie von Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen (DAK-Gesundheit, 2015) und haben im Vergleich zu Nicht-Pflegenden einen schlechteren Gesundheitszustand (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2015; Wetzstein et al., 2015).

Das Informationsdefizit zeigt sich besonders zu Beginn einer eintretenden Pflegesituation, da pflegende Angehörige häufig nicht wissen, welchen Leistungs- und Unterstützungsanspruch sie haben und auch im weiteren Verlauf sind viele Entlastungs- und Beratungsangebote gar nicht bekannt (ZQP, 2015).

Folglich sollen einige der Angebote vorgestellt werden, die pflegende Angehörige bei der häuslichen Versorgung unterstützen:

 

Pflegeberatung

In sogenannten Pflegestützpunkten können Angehörige alle wichtigen Informationen und Antragsformulare rund um die Pflegesituation sowie zu örtlichen Unterstützungsangeboten erhalten. Eine Datenbank mit den verfügbaren Stützpunkten ist unter folgendem Link zu finden: https://bdb.zqp.de/#/home.

 

Finanzielle Hilfen

Die Pflegekassen, die Krankenkassen und das Sozialamt können Auskunft zu möglichen finanziellen Hilfen geben. So kann z. B. das Versorgungsamt die Frage beantworten, ob der Pflegebedürftige Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis hat und somit bestimmte Vergünstigungen, wie zum Beispiel die freie Fahrt für Begleitpersonen in Bahn, Bus oder Taxi, erhalten kann. Falls die häusliche Pflege selber sichergestellt wird, kann dem Pflegebedürftigen ein Pflegegeld von der Pflegeversicherung bezahlt werden, welches er oder sie an die Angehörigen weiterleiten kann.

 

Pflegekurse

Pflegekassen bieten in Zusammenarbeit mit Pflegediensten und Altenpflegeschulen Angehörigen kostenlose Pflegeschulungen an. Diese unentgeltlichen Pflegekurse dienen zur Unterstützung (praktische Anleitung, Informationen, Austausch mit anderen Pflegenden und Beratung zu den unterschiedlichsten Themen) der Angehörigen und ehrenamtlichen Pflegepersonen und können gemeinsam mit anderen Pflegenden oder individuell zu Hause stattfinden.

 

Kurzzeitpflege

Falls einmal die häusliche Pflege vorübergehend nicht möglich sein sollte, trägt die Pflegekasse bei anerkannter Pflegebedürftigkeit die Kosten für einen kurzzeitigen Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung.

 

Selbsthilfegruppen

Angehörigenkreise, Behindertenorganisationen und Selbsthilfegruppen ermöglichen Angehörigen, ihre Erfahrungen auszutauschen und von den Erlebnissen anderer Personen zu lernen. Welche Gruppen bei Ihnen in der Nähe existieren, können sie bei den Pflegestützpunkten erfragen oder online unter www.nakos.de oder www.deutsche-alzheimer.de prüfen.

 

Weitere Informationen zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten erhalten Sie bei der Verbraucherzentrale (https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/alles-fuer-pflegende-angehoerige/hilfe-fuer-pflegende-angehoerige-13922) und dem Bundesministerium für Gesundheit (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/pflege-von-angehoerigen-zu-hause-finanzielle-unterstuetzung-und-leistungen.html).

 

Quellen 

Bundesministerium für Gesundheit (BMG, 2012) Nationales Gesundheitsziel: Gesund älter werden. URL: https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/b/nat_gesundheitsziele.pdf (Zugriff am 16.06.18).

DAK-Gesundheit (2015) Pflege-Report 2015: So pflegt Deutschland. URL: https://www.dak.de/dak/download/pflegereport-2015-1701160.pdf (Zugriff am 16.06.18).

Kofahl, C., Mestheneos, E., Triantafillou J. (2005) Zusammenfassende Übersicht der Ergebnisse aus der EUROFAMCARE-Sechs-Länder-Studie. URL: https://www.uke.de/extern/eurofamcare/documents/deliverables/summary_of_findings_de.pdf (Zugriff am 16.06.18).

Schneekloth, U. und Wahl, H. W. (2005) Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung in Privathaushalten (MuG III): Repräsentativbefunde und Vertiefungsstudien zu häuslichen Pflegearrangements, Demenz und professionellen Versorgungsangeboten. URL: http://www.wir-pflegen.net/wp-content/medien/M öglichkeiten-Grenzen-selbstständiger-Lebensführung.pdf (Zugriff am 16.06.18).

Schwinger, A., Tsiasioti, C., Klauber, J. (2016) Unterstützungsbedarf in der informellen Pflege eine Befragung pflegender Angehöriger. In: Jacobs, K., Kuhlmey, A., Greß, S., Klauber, J., Schwinger, A. (Hrsg.) Pflege-Report 2016: Schwerpunkt: Die Pflegenden im Fokus. Schattauer Verlag, Stuttgart. S. 189-216.

Statistisches Bundesamt (2017) Pflegestatistik 2015. URL: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001159004.pdf?__blob=publicationFile (Zugriff am 16.06.18).

Wetzstein, M., Rommel, A., Lange, C. (2015) Pflegende Angehörige - Deutschlands größter Pflegedienst. URL: http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gast&p_aid=0&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=21301 (Zugriff am 16.06.18).

Zentrum für Qualität in der Pflege (2015) ZQP-Bevölkerungsbefragung „Information und Beratung bei Pflegebedürftigkeit“. URL: https://www.zqp.de/wp-content/uploads/Meinungsbild_Information_Pflege_Pflegeberatung_2015.pdf (Zugriff am 16.06.18).   

 

Autor: Marius Mainz

Veröffentlichung: 03.07.2018